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Informationen über
Adlershof
Die Cöllnische Heide
Die Landschaft, in der Adlershof entstand und sich entwickelte:
Die Cöllnische Heide (Teil I)
von Rudi Hinte | Ortschronist
erschienen in der Adlershofer Zeitung
| 09/2001
Adlershof und die Cöllnische Heide gehören auf natürliche Weise
zusammen. Sehr anschaulich können wir den Zusammenhang erkennen, wenn
wir alte Pläne aus verschiedenen Zeiten zu Hilfe nehmen. Zudem stehen
uns einige frühe Beschreibungen zur Verfügung. Bereits 1739
verzeichnete ein "Plahn", der nach der Vermessung des Amtes Cöpenick
von einem Kartographen Netcke angefertigt wurde, unter den "8
Coepnicksche Heyden" auch die "Cöllnische Heyde". Ihre Größe wurde mit
3.418 Morgen angegeben, von insgesamt 27.974 Morgen der Köpenicker
Heiden. In der Beschreibung der Cöllnischen Heide heißt es: "... auf
der Cöllnischen Seite, fanget an vor Cöpenick gehet biß an Rixdorfsche
und Britzsche
Revier, wie auch sogen. Kanne á 1 Meile lang und 3/4 Meile breit,
besteht aus Kienern und Eichenholtz". Damit ist teilweise ihre
Begrenzung angegeben: sie begann vor der heutigen Langen Brücke in der
Köllnischen Vorstadt und reichte bis zur heutigen Rixdorfer Straße in
Niederschöneweide, wo früher der Kannegraben floß, um in die Spree zu
münden. Anderseits war sie von Spree und Dahme begrenzt, reichte bis
vor die Amtsdörfer Rudow und Glienicke und schloß die zwischen
Bohnsdorf und dem späteren Grünau gelegene "Parforce Garten" mit dem
"Hetzplatz" ein. Das heißt, daß die Cöllnische Heide Jagdgründe der
Kurfürsten bzw. Könige berührte, denen das Amt Cöpenick gehörte. Schon
Kurfürst Joachim II., ein leidenschaftlicher Jäger, hielt sich gerne
und oft in Köpenick auf und ließ zu diesem Zweck die alte Burg in ein
Jagdschloß umbauen. Willy Spatz berichtet in seinem Werk "Der Teltow"
(Band I, 1905) über die kurfürstlichen Jagden in unserem Gebiet: "Diese
Thiergefechte waren nicht immer ohne Gefahr; bei einem derselben
welches im Jahre 1543 in der Nähe von Cöpenick abgehalten wurde und bei
dem ein Bär und ein Wolf mit einem Auerochsen kämpfen sollten, wäre der
Kurfürst fast selbst ums Leben gekommen". Der Bär durchbrach die
Schranke, "wo Joachim saß". Im Schloß Cöpenick verstarb auch der
Kurfürst nach einer Wolfsjagd im "Holz" am 3. Januar 1571, einer
ausgedehnten Abendmahlzeit, mit vielen Tischreden gewürzt, in der
folgenden Nacht. Die Ursache für seinen Tod wurde sofort dem Leibarzt
und Bankier, "Hof-Juden" Lippold zugeschoben, der dem Kurfürsten einen
"vergifteten Malvasir Tranck" gereicht haben soll, wie in alten Akten
zu lesen ist. Nach der Folter "gestand" der Leibarzt; er wurde
"gerädert und geviertheilet" und lange Zeit durften Juden nicht in
Cölln und
Cöpenick wohnen. So entledigten sich etliche Schuldiger des Lippold kurz entschlossen ihrer Schulden.
Auf dem "Plahn. Derer 8 Caepenickschen Heyden" (s. "Adlershof"-Buch,
Teil I, S. 6) finden wir auch eine Stelle nahe der Spree beim
Hasselwerder (am Ende der Hasselwerder Straße) über die es heißt: "Eine
Glückwunschung auf Frid. 3 als die Heyde zum Jagen aptirt (angelegt)
ward". Sicher ist Kurprinz Friedrich III. gemeint, der die Cöllnische
Heide als Jagdgrund erhielt. Die Cöllnische Heide, in der hin und
wieder die Hifthörner zur Jagd erschallten, Jäger und Hundemeuten mit
Rufen und Gebell Hirsche und Wölfe trieben oder hetzten, war sonst
recht ruhig. Hier wohnte niemand, denn der sandige Boden des Spreetales
lockte keine Siedler. Nur ein "Theerschweler" hatte sich in der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts unweit des späteren Adlershof in Oberspree
niedergelassen (etwa wo am Bruno-Bürgel-Weg beim Bahnhof die
Sportplätze liegen), um eine "Theerbrennerey" zu betreiben. Auf einigen
alten Karten ist der Standort mit "T.O." (Teerofen) eingetragen. Am
15.10.1668 wurde dem Teerbrenner Martin Lehmann eine Tochter geboren,
am 14.9.1687 fand vor der Tür des Teerschwelers Hütte die Trauung der
Maria mit dem dortigen Tagelöhner Zacharias Liesener statt. In der
Teerbrennerei wurde aus "Kienern" (Kiefern) durch Verschwelen Teer und
Pech zum Imprägnieren von Bauholz, zum Schmieren z.B. von Wagenachsen
und Kienöl z.B. für Lampen gewonnen. Produkte, die seinerzeit viel
gebraucht wurden, sicher auch später in Adlershof. Einem "Pacht
Contract mit dem Theer Schweler Martin Schultzen..." von 1743 ist zu
entnehmen, daß er die Brennerei auf drei bis sechs Jahre gepachtet
hatte, über vier Gespanne mit bis zu 18 Ochsen bzw. Pferden verfügte,
sowie über Pachtland, auf dem er vier Kühe halten durfte. Einer
Jahrespacht von 40 Talern standen Einkünfte von 2 Talern je Tonne Teer
bzw. 3 Talern je Tonne Pech gegenüber, die er mit seinen Tagelöhnern
erwirtschaften konnte. 1778 zog der letzte Pächter des
"Schoeneweydischen Theer-Ofens" Lehmann nach Altglienicke; das
Anwesen kaufte Kattunbleicher Johann Friedrich Gleiching (genannt
Gleichen) aus Köpenick, der dort nun eine Bleicherei betrieb. Die
Bleicherei wurde zu einem neuen Erwerbszweig am Rande unserer
Cöllnischen Heide, sowohl an der Spree, als auch am jenseitigen Ufer
bei der Wuhlheide. In Köpenick begann sich Textilindustrie zu
entwickeln, im 19. Jahrhundert auch in Schöneweide. Ganz in der Nähe
des ehemaligen Teerofens bzw. von Gleichens Bleicherei, zu der die von
Buntzel und Förster hinzukamen, entstand 1834 die Kattundruckerei
Wolff, die sich zu einer weltbekannten Tuchherstellerin entwickelte.
Auf Plänen jener Zeit führt ein Kattunsteig vom Adlergestell (bei der
Straße Am Adlergestell) durch die Cöllnische Heide über die
Oberspreestraße zur Kattunfabrik und dem bekannten Café Sedan. Die
ausgedehnten Uferwiesen an der Spree wurden in der Beschreibung einer
kürfürstlichen Reise 1598 als "Schöne Weide" erwähnt. Hier beim
Teerofen bzw. den Bleichen befand sich der Ursprung von Unter- oder
Nieder-Schöneweide, wie auf alten Plänen zu lesen ist.
Die Cöllnische Heide war ein landschaftlich gemischtes Gebiet mit Wald,
Wiesen, Gräben, Laken, Luchen, Fenns und Pfuhlen. In ihr wuchsen
Kiefern, Eichen, Birken, an Gräben und Fenns (sumpfige, moorige
Geländeabschnitte, vielfach pflanzenbedeckt mit stehendem Gewässer)
Weiden. Durch diese Mischlandschaft kam aus Rudow der "Rudowsche Schaf
Damm", der sich durch den Wald bis Köpenick fortsetzte (Rudower
Chaussee bzw. Dörpfeldstraße). Wer noch die alte Rudower Chaussee mit
ihrem Verlauf bei "Eternit" kennt, wird sich an ihre Windungen
erinnern, die sie um etliche Feuchtstellen machen mußte. Fuhrleute und
Kriegerscharen nutzten diese alte Handels- und Heerstraße. Nach
Köpenick führte auch der im Plan erkennbare Weg durch die Heide von
Glienicke aus, teilweise als Allee eingezeichnet. Diese hatte der Große
Kurfürst seinem Sohn, dem Kurprinzen Friedrich III. (seit 1701 König
Friedrich I.) als ein Geschenk in der Heide "aushauen" lassen, damit
dieser standesgemäß zum gerade erworbenen Dorf Glienicke fahren konnte.
Beide Wege kreuzten das "Adler Stell", das etwa seit 1700 von der
älteren Verbindung zwischen Cölln (der Schwesterstadt Berlins) und
Cöpenick beim heutigen Bahnhof Schöneweide in Richtung des
Paforcegartens und zum Schloß Königswusterhausen abzweigte. Das hatte
der spätere König Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) 1698 von
seinem Vater geschenkt bekommen. Es wurde sein Lieblingsaufenthalt, zu
dem ihm in jedem Jahr in den Sommermonaten die ganze Familie folgen
mußte. Unsere Cöllnische Heide war also höheren Orts gut bekannt, auch
dem späteren Gründer Adlershofs, König Friedrich II. Damit man sich auf
dem holprigen, sandigen Gestell nicht verfuhr, hatte man hin und wieder
an Bäumen ein Adlersymbol angebracht, woher es seinen Namen
erhielt.
Im "Bruchland" bei Glienicke begann der "Voll Kropp" seinen Lauf, den
wir als Vollkropfgraben kennen. Er durchquerte früher munter fließend
das heutige WISTA-Gelände, passierte das Adlergestell (bei "Lidl")
unter seinem ersten und den Glienicker Weg (bei der Nipkowstraße) unter
seinem zweiten Brückchen, begleitete ihn etwa 500 m, um in einem großen
Bogen bei der Straße nach Grünau in der Dahme zu münden. (In der
Kleingartenanlage "Klondyke" fließt der Graben noch und bei der
Nipkowstraße sind die Böschungen bis jetzt zu erkennen.) Der Graben
wurde von mehr oder weniger ausgedehnten feuchten Wiesen begleitet, von
denen die großen Vollkropfwiesen älteren Adlershofern als "Kahlbaums
Wiesen" (auf dem Gelände der "Berlin Chemie AG") noch in Erinnerung
sind.
Von den Laken soll die "Rohrlake" erwähnt werden, die vom Vollkropfgraben auf der Höhe
der heutigen Zinsgutstraße beim Glienicker Weg quer durch die
Wohnanlage etwa bis zur Wassermann-/Otto Franke-Straße reichte. Die
"Drei-Brüder-Laake", die an der Spree auf dem Gelände der späteren
Messingwerke (BMHW) begann, etwa bei der heutigen Hasselwerder Straße
das Adlergestell erreichte und es in Schlangenlinie über das spätere
RAW-Gelände hinweg bis zur Rudower Chaussee hin begleitete, bildete
hinter dem heutigen Bahndamm ein Hindernis dafür, daß die Straße von
Rudow nach Köpenick geradewegs in die Dorfstraße (Dörpfeldstraße)
einmünden konnte. Sie mußte einen Bogen um die feuchte Stelle machen,
die man auf Adlershofer Bauplänen um 1880 "nahses Dreieck" nannte, so
daß sie etwa auf Höhe unserer Abtstraße auf das Adlergestell traf. 1755
beschwerten sich Fuhrleute aus Sachsen, die zur Messestadt Frankfurt/O.
wollten, beim Zollamt Köpenick, daß die Dorfstraße des neuen Ortes, die
hier begann, unpassierbar sei. Gutsbesitzer Siwicke gab zu, daß die
"Niederung an der Adler-Allee" schwer passierbar sei und versprach sie
aufzufüllen. Noch heute ist hinter dem Bahndamm rechts von der Rudower
Chaussee das zur Kleingartenanlage hin abfallende Gelände erkennbar.
Auf der gegenüberliegenden Seite kann man auf der ausgedehnten
Grünanlage im Winter und Frühjahr nach wie vor große Feuchtstellen
entdecken.
Ein weitaus längerer Graben war der von Johannisthal kommende
Plumpengraben. Er durchquerte das spätere Flugplatzgelände, kreuzte die
Rudower Chaussee, verlief über das heutige WISTA-Gelände, dann weiter
unterhalb von Glienicke und des Falkenberges durch Bohnsdorf bis zur
Einmündung in den Zeuthener See. Bei den "Bohnsdorfer Kaveln" hat der
in der Altglienicker Siedlung "Spreetal" noch heute zu findende Graben
seine Wasserscheide, von der er südlich zum See und nördlich nach
Johannisthal zum Kannegraben floß, um mit diesem bei der heutigen
Stubenrauchbrücke in Niederschöneweide in die Spree zu münden.

Ein herrlicher Wald, "wo Nachtigallen schlugen und Eisvögel strichen und der Kuckuck
rief"
Die Cöllnische Heide – die Landschaft, in der Adlershof entstand und sich entwickelte (Teil II)
von Rudi Hinte | Ortschronist
erschienen in der Adlershofer Zeitung
| 10/2001
Der am Schluß unseres ersten Teils zur Cöllnischen Heide (s. AZ Nr. 89)
erwähnte Graben wurde 1878 in einem Büchlein von Alois Hennes "100
Nachmittagsausflüge in die Umgebung Berlins" als "fischreicher
Plumpengraben" beschrieben, der "durch üppige buschbestandene Wiesen
und herrlichen Wald plätscherte, wo Nachtigallen schlugen und Eisvögel
strichen und der Kuckuck rief" um sich als "wildromantischer Bach" in
das ebenfalls schon erwähnte Bächlein "die Kanne" zu ergießen. Ähnlich
war sicher auch der Vollkropfgraben beschaffen, der mit vielen Weiden
bestanden war und den mehr oder weniger breite feuchte Wiesen
begleiteten. Wir können uns vorstellen, daß in dieser von Gräben, Laken
und Luchen durchzogenen Landschaft unserer Gegend eine reiche Pflanzen-
und Tierwelt gedeihen konnte. So fand auch der Storch hier reiche
Nahrung. Überliefert ist zumindest ein Storchennest an exponierter
Stelle – auf dem Turm der Villa des letzten Adlershofer Gutsbesitzers
und Amtsvorstehers Rittmeister a.D. Hans von Oppen (Adlergestell Ecke
Dörpfeldstraße). Auf einer Zeichnung im Vereinsblättchen des
Raucherclubs "Pascha von Adlershof" aus dem Jahre 1900 ist das Nest
verewigt.
Probleme gab es nach der Gründung Adlershofs mit der Unterhaltung des
Vollkropfgrabens und seiner Brückchen. Bereits 1766 führte das Amt
Cöpenick Verhandlungen mit den damaligen Gutsbesitzern, den Gebrüdern
Deutsch, über "die Brücke unweit des Gutes auf dem Damm über den der
Weg nach Glienicke gehet". Sie sei zugeworfen und vom zweiten
Gutsbesitzer Schneider (1764-1765) nicht in Stand gehalten worden. Die
Brücke müsse wiederhergestellt werden, um das Wasser von den Wiesen und
Äckern des Etablissements ableiten zu können, da diese schon sehr
versauert wären. Hierfür wurde Holz beantragt und der Zimmermeister des
Amtes Cöpenick sollte dazu einen Kostenanschlag machen. Aus den Akten
geht hervor, daß außerdem zu klären war, wer eigentlich für die
Unterhaltung der Stege (der zweite überbrückte den Vollkropfgraben für
das Adlergestell auf der Höhe von LIDL) und des Grabens verantwortlich
sei. Daraus erkennen wir die Bedeutung dieser Gräben als natürliche
Vorfluter. Sie führten das sich ansammelnde Regenwasser den Flüssen
Spree und Dahme zu. Später übernahm diese Aufgabe in weit größerem Maße
der von Menschenhand geschaffene Teltowkanal. Auf dem von Ingenieur-Geographen Gläser
1831 aufgenommenen, 1839 überarbeiteten Plan mit der Cöllnischen Heide
ist ein Gebiet mit dem Namen "Glienicker Nachthütung" gekennzeichnet
worden. (Es lag etwa zwischen der Köpenicker Straße und dem
Bahnhofsausgang zur Media-City.) Hier im Wald der Cöllnischen Heide
konnten die Rinder auch während der Nacht in der vergatterten Hütung
verbleiben. Das Adlershofer Gebiet war schon lange Zeit vor der Anlage
des Gutes als "Süßer Grundt" bekannt und geschätzt, da das Gras wegen
der geringeren Überschwemmungen hier nicht versauerte. Die Bauern der
Amtsdörfer Rudow und Glienicke hatten von "uralten Zeiten her ... die
Befugnis in der sogenannten Cöllnischen-Heiden, Cöpenicker Revier" den
gemeinsamen Viehbestand zu hüten. Mit der "Anlegung einer Meyerey im
Süßen Grunde bey Cöpenick" (gemeint ist das am 14. April 1754
gegründete Erbzinsgut Adlershof) verloren die Nachbargemeinden einen
beachtlichen Teil ihrer Hütung und Weiden. Darüber beschwerten sich die
Betroffenen sofort beim Amt Cöpenick mit der Klage, daß nun ihr "ruin
unvermeidlich sey". Sie hatten natürlich maßlos übertrieben und das
verlustig gegangene Heidestück wesentlich größer angegeben, aber wir
ersehen daraus, welchen Wert der Süße Grund hatte. Die Eingabe wurde
geprüft und abgewiesen. Bestehen blieb aber die Nachthütung für das
Vieh der Nachbarn.
Seit der Regierungszeit von Friedrich Wilhelm I. (dem Soldatenkönig,
1688-1740) hatte die Forstwirtschaft einen festen Platz in Preußen. Der
König, der bestrebt war "plus zu machen", wie er selbst sagte, ließ
zwar die Wälder vor allem durch ausgediente Soldaten pflegen und
überwachen, "verwertete" jedoch erhebliche Mengen Holz. So trieb er
sehr energisch den Ausbau der Residenzstadt Berlin (z.B. die
Fertigstellung der Friedrichstadt) voran und ließ die Wilhelmstraße
erbauen. Auch der rasch zunehmende Verbrauch von Brennmaterial in der
wachsenden Stadt beanspruchte viel Holz aus den umliegenden Forsten.
Besonders an den Ufern von Spree und Dahme wurde gerodet, wo das Holz
geflößt werden konnte. So entstanden auch am Rande der Cöllnischen
Heide in jener Zeit und den folgenden Jahrzehnten Blößen, deren Anteil
an der Waldfläche sich auf 20-50% erhöhte. Auf einem Plan von 1831 sind
die Kahlschläge an Spree und Dahme eingezeichnet. "Holzablagen" an der
"Wendischen Spree" sind, wie auch die "Vollkropp Mühle" gut
erkennbar.
Mit Friedrich II. (1712-1786) begann ein neuer Abschnitt in der
preußischen Forstwirtschaft. 1745 erließ der König eine "Holtz und
Forstordnung der königlichen Residenzien Berlin", in der man lesen
kann: "... daß aller bishero im Schwange etwa gegangene Mißbrauch
gäntzlich abgestellt seyn möge". Auf einer Karte aus dem Jahr 1766 sind
in den königlichen Forsten erstmals Jagen eingetragen. Die Schneisen,
mit denen Jagen voneinander abgegrenzt wurden, werden bis heute
teilweise als Forstwege genutzt. Friedrich II. kümmerte sich
höchstpersönlich um seine Forsten. Mindestens dreimal (1766, 1772 und
1774) besichtigte er die Cöpenicker Forst und übte harsche Kritik an
deren Zustand und den dafür Verantwortlichen. Am 1. Juni 1772 schrieb
der König aus Stargard nach einer Visite in unserer Heide in einem
Brief an Landjägermeister von Lüderitz u.a.: "Bey meiner Durchreise
durch die Cöpenicker Forst habe ich leider wahrgenommen, wie darin
dergestalt heillos gewirtschaftet ist, daß solche nicht
alleinstark ausgehauen, sondern auch nicht das mindeste wieder
angesäet, noch angepflanzet worden". Dem Oberforstmeister von Krosigk
solle seine pflichtwidrige Sorglosigkeit sehr hart klargemacht werden.
"In allen Forsten, aber besonders in der Cöpenick'schen sei alles
ausgehauen oder böse Flecke aufgerissen worden." Es müsse wieder
gehörig besät und bepflanzt werden.
1770 richtete der König ein Forstdepartement ein (vergleichbar mit
einem Ministerium), das für die Verwaltung, Bewirtschaftung und strenge
Kontrolle der Wälder verantwortlich war. Es teilte die Forsten in
Reviere und Schläge ein, legte "Kahlhiebe" und Aufforstungen fest. Bei
der Wiederaufforstung der Kahlhiebe wurden weitgehend Kiefern
angepflanzt, wodurch eine naturferne und eintönige Monokultur anstelle
des ursprünglichen Eichen-Kiefern-Birken-Erlen-Mischwaldes entstand.
Diese Forstkultur wurde ab 1867 mit der nunmehr verbindlichen
"Waldreinertragslehre" noch verfestigt, nach der die
Starkholzproduktion im Vordergrund stand. Da auf den ärmeren
brandenburgischen Forstböden die anspruchslosen Kiefern den Eichen
überlegen sind, wurde im kommerziellen Interesse die Kiefernmonokultur
bevorzugt. Die Ergebnisse sind noch heute im Rest unserer Köllnischen
Heide aufzufinden, obwohl bereits seit einiger Zeit gemischte
Anpflanzungen vorgenommen werden.
Die Cöllnische Heide wurde forstverwaltungsmäßig der "Heydewächterey
Kanne" zugeordnet, die wie die anderen fünf Heiden dem Landjäger des
Amtes Cöpenick unterstanden. Später wurde daraus die Unterförsterei
Kanne. (Das Forsthaus Kanne ist noch an der Rixdorfer, nahe der
Kiefholzstraße zu finden.) Die Unterförsterei gehörte zur Königlich
Preußischen Oberförsterei Cöpenick. Den Namen "Gemarkung Kanne"
begegnen Grundstückseigentümer in Adlershof in ihren Grundstücksakten,
er ist bei der Bezeichnung der Grundstücke noch aktuell. Am 30. Juni
1893 erfolgte die Teilung der Oberförsterei Cöpenick. Die Cöllnische
Heide gehörte seitdem bis 1920 zur Staatlichen Oberförsterei
Grünau-Dahmer-Forst.
Auf der Karte von 1831 sind Wald- und Gestellwege, u.a. die "Wildbahn"
(von der Straße Am Adlergestell zur Spree), ein Weg von der Colonie
Johannisthal quer durch die Heide nach Cöpenick und ein Gestellweg von
der Maulbeerbaum-Plantage (etwa auf der Höhe Wassermann-/Friedlander
Straße) in Richtung Schöneweide (Siedlung Oberspree) erkennbar.
Deutlich ist die Einteilung der Heide in Jagen, die später kleiner
gegliedert wurden. Am Spreebogen bei Cöpenick (Spindlersfeld) lag der
"Charité Acker", auf dem die amputierten Körperteile "beerdigt" wurden.
An der Straße von Cöpenick nach Berlin befand sich eine Seidenfabrik.
Weiter südlich an der Straße zur Kolonie Grünau lag die Kolonie
Schönerlinde. Auch sie war eine Gründung Friedrich II. aus dem Jahre
1752 für zunächst zehn aus Böhmen ausgewanderte, reformierte Familien.
Heute erinnert die Schönerlinder Straße in der Köllnischen Vorstadt an
die 1879 zu Köpenick eingemeindete Kolonie. Die sich anschließende
Adlershofer Straße kann als Hinweis auf die gut nachbarschaftlichen
Beziehungen der böhmischen Kolonie zur Kolonie Süßengrund dienen, die
zur gleichen Zeit entstanden und in enger Nachbarschaft lebten.

Mit dem Bau von Eisenbahnlinie, Kanal und Flugplatz kam das Ende der Idylle
Zuvor dämmerte unser kleiner Ort lange Zeit vor sich hin / Das Landschaftsbild Adlershofs (Teil III)
von Rudi Hinte | Ortschronist
erschienen in der Adlershofer Zeitung
| 02/2002
Lange Zeit schien das Landschaftsbild Adlershofs und seiner Umgebung
für ewig unverändert zu bleiben. Eingebettet in die Cöllnische Heide
dämmerte unser kleiner, ärmlicher Ort vor sich hin. Doch nichts bleibt
wie es ist. Mit dem Bau der Berlin-Görlitzer Eisenbahnlinie 1866/67 und
den ersten durch unseren Wald ratternden Zügen kündigten sich
Veränderungen an. Dieser neuartige Verkehrsweg "bahnte" den
verschiedensten wirtschaftlichen Interessen aus der schnell
aufstrebenden, neuen Hauptstadt Berlin des 1871 gegründeten deutschen
Kaiserreiches den Weg in das Umland und auch nach Adlershof.
Das für die landwirtschaftliche Nutzung wenig geeignete
Gutsbesitzerland fand rasch einen begehrlichen Käufer, den
Gründerzeitspekulanten Heinrich Quistorp. Die Immobilie Adlershof
diente nun als Bauland sowohl für den Aufbau einer Villenkolonie (der
jedoch im Ansatz stecken blieb), für die Übersiedelung von Berliner
Fabriken sowie von Niederlassungen westdeutscher Unternehmen und
zunehmend auch für den Bau von Mietshäusern für die sprunghaft
anwachsende Bevölkerung. In nur zwei Jahrzehnten zwischen 1870 und 1890
verwandelte sich der "leere Platz" in der Cöllnische Heide, als der uns
auf dem Plan von 1831/1839 (s. AZ Nr. 90) Adlershof und die Kolonie
Süßengrund erscheinen, in eine rasch wachsende Ortsanlage. Diese
Entwicklung bewirkte ihrerseits den fortschreitenden Ausbau der
Bahnanlage. Zuerst ein-, dann zweigleisig entstand 1874 der Haltepunkt
Adlershof und 1894 ein richtiger Bahnhof mit Güterbahnhof (s. AZ Nr.
4). 1906 wurden die inzwischen vier Gleise höher gelegt, Fabriken
erhielten Anschlußgleise, es entstand eine umfangreiche
Güterbahnhofsanlage zwischen Adlershof und Niederschöneweide, später
das Betriebswerk und das Reichsbahn-Ausbesserungs-Werk (RAW)
Schöneweide. So fraß sich die Bahn in und durch die Landschaft, unsere
Cöllnische Heide – ein Tribut an den Fortschritt.
Es war jedoch bis zum ersten Weltkrieg noch soviel von unserer
Cöllnischen Heide erhalten geblieben, daß verschiedene Ausflugsführer
für Exkursionen in die Umgebung Berlins empfahlen, mit dem Zug vom
Görlitzer Bahnhof nach Adlershof zu fahren. Von dort könne man durch
den Wald nach Oberspree oder Cöpenick wandern. Aloys Hennes schrieb in
seinem Führer für "100 Ausflüge in die Umgebung Berlins 1879" als
"Ausflug 12": "Station Adlershof an der Görlitzer Bahn dient
hauptsächlich für die Villencolonie Adlershof, welche gleich beim
Bahnhof beginnt, und später sich weiter nach rechts ausdehnt. Da, wo
der Wald sich zeigt, befindet sich der große Restaurationsgarten
Adlershof (Wöllsteins Lustgarten) mit eleganten Einrichtungen. Kleine
Spaziergänge vermitteln die Waldungen auf beiden Seiten der Chaussee
... Verfolgt man vom Bahnhofe die Chaussee nach links, also in Richtung
nach Berlin so trifft man in 5 Min. einen nach rechts abzweigenden Pfad
(heute Straße Am Adlergestell), der durch hübsches Waldgebiet in 30
Minuten nach Café Sedan führt. Hat man die Köpenicksche Chaussee
erreicht, so leitet auf der andern Seite ein kohlschwarzer Fahrweg
zunächst in die Nähe der Wolff'schen Kattunfabrik und dann im Bogen
nach links zum Eingang des Gartens. Hier Rückfahrt per Dampfer." Mit
der Köpenickschen Chaussee ist die heutige Oberspreestraße gemeint, die
Kattunfabrik und das Café lagen am jetzigen Bruno-Bürgel-Weg. Häufig
werden bei der Beschreibung von Wanderwegen durch unsere Cöllnische
Heide auch das "prächtige Birkengestell" sowie der mit Erika bedeckte
Waldboden erwähnt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein kürzlich aufgefundener
Bericht von Mitgliedern der Brandenburgischen Landesvereinigung über
ihre Wanderfahrt am 27. Dezember 1892 (also vor 110 Jahren) nach
Johannisthal, Niederschöneweide, Adlershof und Coepenick. "Der damals
an allen Sonntagen übliche Andrang von Ausflüglern fehlte auch diesmal
nicht. Besonders die mit Schlittschuhen versehene junge Welt wollte den
eben eingetretenen starken Frost nutzen und sich auf dem Eisspiegel der
Spree tummeln. Unsere Wandergruppe stieg in Johannisthal aus, lief zur
Spree hinunter um bei Oberspree dann in eine dichte Fichtenschonung
Richtung Adlershof einzubiegen. Auf einem schmalen
Pfade durch den Schnee watend, der auch alle Bäume und Zweige bedeckte,
kamen die Berliner aus der schneefreien Stadt in eine richtige
Winterlandschaft, in der ringsum vollkommene Stille
herrschte und zahllose Spuren von Hasen zu beobachten waren ... Nicht
weit von der Schonung wurde Adlershof erreicht, zwar nur ein Dorf, aber
mit seinen 4000 Einwohnern und stattlichen Gebäuden ansehnlicher als
manche kleine Stadt". Hier wurden die Ausflügler von einem
Klubgenossen, dem Besitzer der Emailleschilderfabrik Arno Weisse (s. AZ
Nr. 24), in einer "behaglichen altdeutschen Bierstube" (vermutlich bei
Wöllstein) begrüßt. Anschließend ging es durch den alten Wald (zwischen
heutiger Waldstraße und Spindlersfeld bzw. Köllnischer Vorstadt) auf
der Chaussee nach Cöpenick, wo "ein fröhliches Leben herrschte;
benutzte doch wer irgend konnte, die spät gekommene Schlittenbahn, um
sich des seltenen Vergnügens zu erfreuen". An der gerade
fertiggestellten massiven Brücke zum "stattlichen" Schloß angekommen,
beobachteten die Ausflügler, wie "eine Schaar leichtfertiger Jugend
sich mit Schlittschuhlaufen amüsierte. Das Eis war zur Mitte der Dahme
noch zu schwach; am gleichen Tage waren unweit ein Knabe und sein ihm
zur Hilfe eilendes Schwesterchen ertrunken." Bis zum heutigen Tag lockt
das Wintervergnügen auf Spree und Dahme trotz der damit verbundenen
tödlichen Gefahren.
Mit dem Bau des Teltowkanals zwischen 1900 und 1906, der sowohl für die
Binnenschiffahrt vorteilhaft war als auch die Erschließung des
südlichen Umlandes Berlins förderte, gingen beachtliche Einschnitte in
unsere Landschaft einher. Der Chronist Friedrich-Wilhelm Elfert
berichtete in einem Beitrag vom März 1930 darüber, daß die Wiesen und
der Wald in Richtung Rudow ein beliebtes Forschungsgebiet für Studenten
der Naturkunde waren. Hier fanden sie seltene Pflanzenarten (z.B.
Wiesenorchideen) und Schmetterlinge. Diese Besonderheiten gingen mit
der Trockenlegung des Plumpengrabens und der Wiesen als Folgen des
Kanalbaus verloren. Den größten Verlust ihres Baumbestandes erfuhr
unsere Cöllnische Heide, als 1909 zwischen Adlershof und Johannisthal
der erste deutsche Motorflugplatz erbaut wurde. Mehr als 200 ha Wald
mußten weichen! Der inmitten eines ausgedehnten Waldgebietes gelegene
Luftkur und Badeort Johannisthal verwandelte sich zu einem Zentrum der
Flugzeugindustrie, und auch an der Rudower Chaussee wurden
Flugmaschinen gebaut. Bis zu 10.000 Arbeiter und Soldaten fertigten im
1. Weltkrieg Kriegsflugzeuge, testeten Neuentwicklungen und besorgten
flugtechnische Dienstleistungen, wo noch wenige Jahre zuvor ein schönes
Stück Natur unserem Adlershof seinen besonderen Reiz verlieh.
Im "Führer durch die südöstlichen Vororte Berlins" von 1912 lesen wir:
"Die Landgemeinde Adlershof mit 11.400 Einwohnern ist an drei Seiten
von Wald umschlossen, an Oberspree und Teltowkanal angrenzend..." hat
sie die "landschaftlich schönsten Punkte am Müggelsee, an der Oberspree
und Dahme ... in nächster Nähe. Außerdem hat Adlershof nach ärztlicher
Ansicht eine außerordentlich gesunde Lage." Es hat "... wegen seiner
Ausbreitung über ein weites Gelände, seiner vielen, wohlgepflegten,
alten Gärten noch auf lange Zeit hinaus einen mehr ländlichen Charakter
als andere östlichen Vororte, besonders weil die umgebenden Wälder bis
unmittelbar an die Straßen heranreichen."
So blieb unserem Ort das Schicksal des benachbarten Oberschöneweide
erspart, wo auf dem Gelände des Gutes Wilhelminenhof und den Wiesen am
Ufer der Spree mit den vielen Kattunbleichen ab 1890 die großen
Fabrikanlagen der AEG, der Nationalen Automobil Gesellschaft und der
Deutschen Niles Werke entstanden. Damit verknüpft "entstand im Berliner
Südosten, auf wildeste Spekulationen aufgebaut, ein Mietskasernenbau
schlimmster Ausprägung". Produktionsanlagen und Wohnhäuser wurden
direkt ineinander geschachtelt, besonders deutlich ausgeprägt in der
mittleren Wilhelminenhofstraße. Wenn auch in Adlershof die
Landhaus-Bauordnung 1903 aufgehoben und die geschlossene Bebauung im
ganzen Ort möglich wurde, blieb die Errichtung von Hinterhof-Wohnbauten
auf wenige Beispiele beschränkt. Noch bis in die 30er Jahre floß der
Vollkroppgraben durch Adlershof. Die an ihn grenzenden Fabriken
versuchten immer wieder ihn für die Einleitung ihrer teilweise recht
gefährlichen Abwässer zu mißbrauchen. Die früher sehr aufmerksame
polizeiliche Aufsicht schritt energisch dagegen ein, wie wir in alten
Unterlagen nachlesen können. So veränderten der Eisenbahnbau und die
damit ermöglichte Industrialisierung Adlershofs das Antlitz unseres
Ortes und seiner Umgebung grundlegend. Von der idyllischen Lage dieser
Landschaft ging vieles verloren; das Verbliebene wurde um so wertvoller
und erhaltenswerter.
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